Umsteigen, nicht aussteigen!

Energiefragen

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1. Energie für unser Industrieland – Stand 26. 11.20

Stand 26. Nov. 2020

Seit Mitte Juli 2020 sind die Ausstiegs-Verträge unterzeichnet, Mitte August das Ausstiegsgesetz in Kraft (FAZ v. 20.8.) So ist das Ende der Kohle und vieler Arbeitsplätze vorerst besiegelt.

Juristen  erwarteten, dass beides mit Klagen von Bürgern aufgehalten oder zu Fall gebracht werden könnte. 

Das kann Wochen oder auch Jahre dauern. Zunächst werden aber Fakten geschaffen, denn der Ausstieg beginnt Ende dieses Jahres. Und er ist auch nicht kurzfristig zu ändern, denn Kraftwerke und Kohlegruben zu schließen und ggf. wieder anzufahren, das geht nicht wie ein Lichtschalter.

Die Konzerne hatten sich nach Kräften bemüht, einen sanfteren, langsameren Abschied von Kernkraft und Kohle zu erreichen. Schließlich haben sie aufgegeben, sie haben beigedreht. Man hat wenigstens den Schaden für Eigentümer und Mitarbeiter so gering wie möglich gehalten. Und letzte Woche hat auch das BVerfG mit der Vattenfall-Entschädigung dem Bund – uns allen – eine grosse Bürde auferlegt. 

Die Verantwortung für Versorgungsicherheit scheint von den Schultern der Energiekonzerne genommen, die wirtschaftlichen Schäden übernimmt der Steuerzahler, der Schatz Braunkohle bleibt unter der Erde  für spätere Generationen.

Wer sorgt nun dafür, dass immer genug Strom im Netz ist? Wer garantiert dann die Versorgungsicherheit, die 100 Jahre lang bei den Werken und deren Netzen war?

Die Verantwortung liegt nun bei der Bundesnetz-Agentur, war dem Gespräch zu entnehmen,  das ich im Juli mit führenden Personen eines grossen Energiekonzerns führen konnte. Auf meine entsprechendne Fragen hat die Agentur nun geantwortet. Ich danke dem Abgeordneten des deutschen Bundestages, dass er dazu geholfen hat. 

Die Warnungen mancher Professoren, Fachleute und Vereine sind unüberhörbar. Es ist leicht zu errechnen, dass ein Blackout viel näher ist als früher und vielfach mehr Eingriffe ins Netz erfolgen als früher. Die Agentur ist weiterhin sicher, dass sie mit Verträgen und Verpflichtungen alle Netzbetreiber und die Stromerzeuger voll im Griff hat. Politiker glauben, dass zu Befürchtungen kein Anlass ist, weil wir immer wieder Strom nach Frankreich und Belgien exportieren.

Das sind Moment-Aufnahmen, denen kaum zu widersprechen ist. Ihr Zukunftswert ist aber gering.  

Es wird also immer öfter zu kritischen Engpässen kommen. Öfter und länger als heute werden Strompreis-Spitzen an der EEX bis zu 10.000 Euro/Mwh vorkommen.- wie aus Kalifornien schon gemeldet – siehe rechts. 

Der Verbraucherpreis wird dennoch kaum über 30 Cent steigen. Am 15. Oktober wurde beschlossen, über 10 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt 2021  zu nehmen, damit die EEG Umlage stabil bleibt. Nur scheinbar  werden Verbraucher verschont. Sie tragen es dennoch über die Steuern. Grosse Stromkunden sind längst ins Ausland abgewandert (BASF, andere folgen). Neue Industrien mit hohem Energiebedarf kommen gar nicht erst auf.

Wird Deutschland dann ein Land der Mittelindustrie, vielleicht eine grosse Schweiz?

Das folgende Szenario wird realistisch: Die grossen Strommonopole verschwinden. Deren Macht wächst nun der BNetzA zu. Machtmissbrauch braucht man nicht zu fürchten, eher Schlendrian (wie in der DDR). Ihr Horizont ist etwa 10 Jahre, in der Zeit könne man etwas fehlende Kraftwerke errichten. Dass diese mit dem CO2 belasteten Importgas beheizt werden, stört nicht einmal das Umweltministerium

Für kleine bis mittlere Verbraucher kann die Agentur die Öko-Schwankungen smart mit digitaler Steuerung ausgleichen. Für die starken Stoßstrom-Abnehmer (Kupferhütten, Elektrostahl, Aluminiumschmelzen, ICE-Züge u.ä.) gibt es eigene Kraftwerke oder starke Leitungen direkt zu Atomkraftwerken im Ausland. Die Eigentümer diese Gesellschaften sind ohnehin überwiegend Ausländer oder der deutsche Staat.

Für die Kritis-Verbraucher (Krankenhäuser, Verkehrsregelung, Internet-Zentren usw. ) werden vielfach regionale Backup-Massnahmen ausreichen.

Vielleicht ist diese Zukunft von weitschauenden Politkern sogar gewollt.  Es geht um „Weiche Energie“ oder „Harte Energie“.
Deutschland soll nie wieder auf Gedanken kommen, wie 1871, 1914 oder 1939. Autarkie, besonders bei der Energie, war damals die zentrale Voraussetzung für diese Untaten.
Muss aber anderseits unsere Abhängkeit dazu auf 80 % der Primärenergie gesteigert werden. Reichen nicht auch 60 % ? 
Wenn Sie in meinem Buch „Energiewende – nun aber richtig !“ (978-620-2-22575-5) den historischen Ablauf von 1950 bis heute verfolgen, sehen Sie, mit welchen Kräften man rechnen muss. Da ging es nur vordergründig um den Kugelbett-Reaktor, im Grunde aber um deutsche Energie-Hoheit und Machterhalt bestehender Strukturen. Sie verhinderten in den 70-ern, 80-ern, dass schon damals umweltfreundlicher Wasserstoff-Stahl erzeugt wurde.

Die Folge heute: fast kein Stahl mehr, krampfhafte Versuche, mit Import-Wasserstoff das Versäumte nachzuholen. Aber auch hierzu wären gaufreie Kugelbett-Reaktoren (www.gaufrei.de) der bessere und billigere Weg, für die subsidiäre, dezentrale Energieversorgung sowieso.

Herr Balzter berichtet in der FAS: Jetzt gehen nicht mehr die Gegner der Atomkraft auf die Straße, sondern ihre Verfechter……mehr

Aus der EU-Kommission erhielt ich einen positiven Brief. Deutsche sollten sich mehr um Kernenergie bemühen. Die Präsidentin scheint sich von der deutschen Sicht zunehmend zu emanzipieren. Es gibt dort so viele zuversichtliche Stimmen, die besonders dem Hochtemperatur-Reaktor grosses Potential  zutrauen. Damit kann die Kugelbett-Technik aus Jülich ihre Stärken zeigen.